Eine Nacht als Zustand
POTZDAMN lässt sich nicht auf einen Programmpunkt reduzieren. Es ist kein Event, das man besucht, abhakt und wieder vergisst. Es ist eher ein Zustand, der sich langsam einstellt, wenn die Nacht ihre eigene Logik entwickelt. Wenn elektronische Musik nicht erklärt werden muss, sondern trägt. Wenn House, Electro und Techno nicht als Genres auftreten, sondern als Mittel, Raum und Zeit neu zu ordnen.
Der Bezug zur Clubkultur der 90er ist spürbar, aber nicht nostalgisch. POTZDAMN imitiert diese Zeit nicht, es zitiert sie auch nicht. Es übernimmt etwas Grundsätzlicheres: die Idee, dass Clubnächte roh sein dürfen. Unmittelbar. Unberechenbar. Keine Retroshow, kein Best-of, kein Versuch, vergangene Größe zu konservieren. Stattdessen Gegenwart. Jetzt.
Was dabei entsteht, sind Nächte, die sich verlieren dürfen. Räume, in denen Musik nicht kommentiert, sondern erlebt wird. Tanzflächen, auf denen niemand performt und niemand beobachtet wird. Irgendwann setzt ein Zustand ein, den man schwer beschreiben kann, aber sofort erkennt, wenn man ihn erlebt. Der Bass wird gleichförmig, der Körper folgt ihm automatisch, Gedanken lösen sich. Ein beinahe sphärischer Trance-Zustand, in dem Zeit ihre Bedeutung verliert und Bewegung selbstverständlich wird.
POTZDAMN richtet sich an Menschen, die nicht gesehen werden wollen, sondern verschwinden möchten. Im Sound. Im Moment. In der Bewegung. Jeder bewegt sich in seiner eigenen Musik-Bubble, ohne die der anderen zu stören. Das Publikum ist aufmerksam, offen, auffallend freundlich. Man wird nicht belästigt, nicht gedrängt, nicht bewertet. Nähe entsteht, ohne aufdringlich zu sein. Gemeinschaft, ohne sich aufzuzwingen.
Die Musik ist kompromisslos, ohne ausschließend zu wirken. Die Atmosphäre offen, ohne beliebig zu sein. Alles andere ergibt sich. Oder eben nicht. Auch das gehört dazu.
Hochglanz spielt hier keine Rolle. POTZDAMN braucht keine Lounges, keine Dresscodes, keine Inszenierung. Dunkelheit, Licht, Bass und Zeit reichen aus. Wer kommt, kommt wegen der Musik. Wer bleibt, bleibt wegen des Gefühls. Und wer etwas anderes sucht, findet es vermutlich besser an einem anderen Ort.
Der Name ist dabei mehr als ein Wortspiel. POTZDAMN meint Potsdam bei Nacht, ohne Postkartenfilter und ohne Kulisse. Urban, kantig, manchmal unbequem. So, wie Clubkultur sein darf, wenn man sie ernst nimmt.
Entstanden ist POTZDAMN im Umfeld von Pirschheidi, einem Projekt, das auf den ersten Blick in einer anderen musikalischen Welt zu Hause ist. Schlager hier, elektronische Musik dort. Doch dieser Gegensatz ist konstruiert. Schlager lebt von Gemeinschaft und Gefühl, elektronische Musik von Ekstase und Freiheit. Beide bringen Menschen zusammen. Beide erzeugen Momente, die bleiben.
POTZDAMN trennt die Formate, nicht die Leidenschaft. Und vielleicht liegt genau darin seine Stärke.
Am Ende bleibt eine einfache Erkenntnis: POTZDAMN ist kein Event. Es ist eine Nacht, die etwas mit einem macht. Wer genau das sucht, wird es verstehen. Alle anderen müssen es nicht.
