Das neue Jahr beginnt leiser, als man es erwarten würde. Kein Paukenschlag, kein plakativer Stilwechsel. Eher ein vorsichtiges Hochfahren der Systeme. Und genau darin liegt seine Spannung. In der elektronischen Musik deutet sich kein radikaler Bruch an, sondern etwas Subtileres: eine neue Selbstverständlichkeit im Umgang mit Technik, Geschichte und Körper.
Lange Zeit verlief die Diskussion entlang einer künstlichen Trennlinie. Hier das Analoge, warm, unberechenbar, angeblich „echt“. Dort das Digitale, präzise, flexibel, angeblich seelenlos. Diese Gegenüberstellung wirkt inzwischen müde. Die interessantesten Entwicklungen entstehen genau dort, wo diese Kategorien ineinanderfallen.
Instrumentenhersteller denken nicht mehr in Entweder-oder. Neue Geräte verbinden analoge Signalwege mit digitaler Steuerung, Speicherbarkeit und moderner Modulation. Drehregler treffen auf Displays, Spannung auf Software. Es geht nicht darum, alte Maschinen zu kopieren, sondern ihre Denkweise weiterzuführen. Der Charme klassischer Synthesizer entsteht heute nicht durch Nostalgie, sondern durch bewusste Reduktion und kluge Erweiterung.
Auch im Bereich der Plugins hat sich der Fokus verschoben. Weg von bloßer Emulation, hin zu Interpretation. Entwickler nehmen ikonische Sounds nicht mehr nur als Vorlage, sondern als Ausgangspunkt. Filter verhalten sich lebendiger, Zufälligkeit wird wieder zugelassen, kleine Ungenauigkeiten sind kein Fehler mehr, sondern Feature. Digitale Werkzeuge dürfen wieder atmen.
Parallel dazu verändern sich die Produktionstechniken. Immer mehr Produzenten arbeiten hybrid. Spuren entstehen im Rechner, werden durch Hardware geschickt, wieder eingefangen, neu bearbeitet. Alte Klassiker tauchen nicht als Kopie auf, sondern als Erinnerung. Ein vertrauter Basslauf, eine bekannte Akkordfolge, aber neu kontextualisiert. Langsamer, roher, direkter. Weniger Perfektion, mehr Haltung.
Interessant ist auch, wie sich der Blick auf den Raum verändert. Produktionen werden wieder stärker auf die Tanzfläche hin gedacht. Nicht auf Kopfhörer, nicht auf Algorithmen, sondern auf Körper. Dynamik statt Dauerdruck. Spannung statt Dauerschleife. Die Frage lautet nicht mehr: Wie laut kann es sein? Sondern: Wann wirkt es?
All das deutet auf ein Jahr hin, in dem elektronische Musik wieder näher an ihren Ursprung rückt, ohne rückwärtsgewandt zu sein. Technik wird nicht mehr vorgeführt, sondern benutzt. Klassiker werden nicht zitiert, sondern weitergedacht. Und genau hier entsteht der Raum, den wir suchen.
Für POTZDAMN heißt das: Nächte, in denen Neues und Vertrautes nebeneinander existieren dürfen. Sounds, die an früher erinnern, ohne stehenzubleiben. Tracks, die Geschichte kennen, aber im Jetzt wirken. Die Tanzfläche als Ort, an dem diese Entwicklungen nicht erklärt, sondern erlebt werden.
Das neue Jahr verspricht keine Revolution. Aber es verspricht Tiefe. Und manchmal ist genau das die spannendste Form von Fortschritt.